Archiv des Jahres 2006

Saturday-Night-Fever im Blauen Meer

Samstag, Dezember 2nd, 2006

Wieder mal was vergessen. Gilt noch für Freitag, 22:00 Uhr. Tagsüber hatte ich DIE Idee. Wenn der mit mir nichts zu tun haben will, brauche ich da nicht zu wohnen. Wir sind nur 4 von 6 möglichen Passagieren. Also irgendwo ist noch ein Zimmer frei.

Klar, habe ich einen Plan, einmal auf gleichem Deck an Steuerbord = entgegengesetzte Seite zu Backbord. Besser wäre auf C-Deck. Wohnen mit den Offizieren und Ingenieuren, Elektriker, sonst niemand, außerdem Waschküche ist da auch. Und 3 qm mehr, weil auch mal für Zwei. Bett jedoch gleiche Größe wie jetzt. Egal.

Wie in Kleinfamilie üblich hat mir einer erzählt, warum er nicht mit uns redet. Raucher sind niedere Menschen. Ich rauche! Zwar Zigaretten, aber das gilt. Anderer Passagier noch schlimmer dran, raucht mindestens aus 8 verschiedenen Pfeifen, die muß es in Hamburg billig geben, 700 gr. irgendwelchen Pfeifen-Tabaks. Die Mengen muß man immer beim Einklarieren angeben. Ich habe immer ‘ne Stange = 200 Stück. Der Rest liegt im Slopshop. Zählt nicht mit. Gut. Komme ich nur auf mehrfachen Antrag ran. Das bremst oder man nimmt gleich alle wieder raus. Schönes Spiel, da alles schon Tage vorher abgefragt wird. Also z.Bsp. 3 Tage bis hin = macht x00 Zigaretten + 200 = x00 Zigaretten brauche ich ohne Notlage. Das gleiche gilt auch für Alkohol, aber Literweise = 3 Tage mal x Alkohol + 1 = xx Alkohol am Ankunftstag. In Oman kommt Steigerung, da muss alles angebrochen sein.

Zurück zu Herrn P., nur mit höheren Rängen ist zu reden, Master hat Glück, raucht aber auch. Wenn Captain not on duty sind ausnahmsweise die Offiziere anzuspechen. Steward hört auch auf ihn, muss, sonst kann der weise Herr nichts bestellen und weiß nicht was auf ihn zu kommt.

Also keine langen Erklärungen mehr, ich wieder Audienz beim Master persönlich. Mein Vorschlag wie ausgedacht, Kabine einen Stock tiefer, gleiche Lage, siehe ganz vorne dieses Tages. Master bittet um Bedenkzeit.

Frühstück für die Crew - Fisch, Eier, SpeckNach einem vorzüglichen Frühstück mit Filipinos und Speck, Eiern, warmen Tuna, Bohnen und ewig vorhandenen Reis habe ich den Master beim Morgenrundgang angetroffen. Und ihn höflich nach seiner Meinung über das Wetter, Ankunfts-, Liegezeiten, Sonnenscheindauer, Wasserfarbe und speziell Tapetenwechsel gefragt. Hat funktioniert, nur der Elektriker muss noch DVD und Radio einbauen. Sonst ja, außer unterwegs sollten sich noch Duplo’s ansagen, da dies die zweite Doppelkabine. Im Notfall muss ich freiwillig zurück aufs D-Deck. Ich habe mich dazu bekannt und gleich angefangen, die alte Bude leerzuräumen und alles kistenweise umzuschichten. Was ich alles dabei habe, man (ich) staunt nicht schlecht. Aber es kommen ja noch kalte Zeiten, China, US&A.

Zwischendurch schnell mal geluncht, neue Kabine umdesignet (Nageln geht nicht, alles mit doppelseitigem Kleber oder Magneten) und im Pool auf- und untergetaucht. Herrlich. Alles mit 25°, aber nur 21 Knoten.

Bereit zum BarbequeDann Sonnenuntergang, jeden Abend, und plötzlich läßt mich der Captain rufen. Aber nur, weil ich den Start des Barbeque-Abends auf dem Freideck, bei Grill, Freibier, diversen angemachten Salaten, zwei Richtungen: Asiatisch und Deutsch unter der Arbeit übersehen habe. Gut, gepoolt war schon, einigermaßen sauber, Hemd und lange Hose und ran an den Offizierstisch. Konnte so steuern, daß ich nicht direkt neben Herrn P. saß. Kapitän mir gegenüber am langen Tisch, Steuerbord = Chefingenieur, Backbord = Herr aus Hamburg. Und alles war Friede, Freude, Eierkuchen. Auch Herr P. (hat mich etwas an Tetzlaff und gleichnamige Sendung erinnert) und alle haben von meinem besten Chilewein, habe nur 1 Sorte, getrunken. Die Crew hat von mir auch Wein bekommen, da Schiffsrotwein im Moment out of stock. Nur am Offizierstisch, war verdammt schnell kein Wein. Ich wollte nicht mehr laufen, Herr P. kann aus Vornehmheit nicht, also war der andere Passagier dran.

In der Zwischenzeit konnte ich mich dezent zur Crew zurückziehen und echt einen trinken. Da alles kompakt abläuft, Start 17:30 Uhr, teilweise Zapfenstreich für Crew 22:00 Uhr = Jüngere, die halten das noch nicht durch, Ältere, die halten das nicht mehr durch und der Rest in der Mitte beendete die Party mit Aufräumen, Reste trinken zwischen 23:00 Uhr und Mitternacht. Keine Angeberei: Ich war dabei.

Lage: Irgendwo zwischen Jemen und Eritrea. Offizier on duty weiss das genau. Aber im Moment uninteressant.

Baden im Roten Meer

Freitag, Dezember 1st, 2006

Hier muß ich weiterschreiben…………

So endete der letzte Tagesbericht. Ich lasse mich doch nicht von irgendwelchen Zwängen drängen. Ich schreibe einfach heute weiter.

Wirklich ging es dann als Nr. 14 um 17:30 Uhr weiter. Die Riesenmaschine haben die Herren Ingenieure wieder auf 9 Knoten die Stunde gebracht. Das war’s dann. Dinner und Abhängen. Draußen wüster Kanal, viel Sand, einfach nichts. Mal ein Kontrollposten, das wir auch wirklich weiterfahren. Die wollen nur unser Geld und viele Zigaretten, schnell durch. Dann können sie in ungefähr 4 Monaten wieder von “Rickmers Hamburg” leben.

Mitfahrer an BordIn den frühen Morgenstunden erscheint Port Suez auf der Karte und live in voller Größe. Kein Schmarrn! Das war’s dann mit Suez-Kanal. Kommt wieder einer von Behörde, holt unter anderem wieder was ab. Letzter Lotse geht auch. Und die 3 vom Beleuchterteam, die zwischendrin ihren Schmarrn verkaufen wollten, werden inclusive ihrem Boot zu Wasser gelassen. Haben mindestens 1 RayBan, Gucchi (schreibt man das so?)-T-Shirt für Ehepaar’s-Enkel verkauft. Vom Schiff wurde denen sogar Dinner angeboten. Das gute Schweinefleisch plus Reis plus Hühnersuppe haben die nicht genommen. Wir essen nur Toastbrot, gute amerikanische Wurst und vorzüglichen Käse plus Obst. Haben wir gerne gegeben. Und Marlboro. (Noch Werbung, bald nicht mehr erlaubt im Internet.)

Neues Kapitel: Rotes Meer

Es musste ja kommen. Jeder Kanal hat einen Ausgang oder auch zwei. Jetzt hab ich das verwechselt, das ist irgendwie Wurscht. Aber von wegen Rot.

Unser Chiefingenieur ist trotz seinem Alter sportlich wirklich gut drauf. Alles macht der, Treppenlaufen, Hanteln, Seilsprünge, Klimmzüge, sicher auch Liegestütze, habe ich aber nicht gesehen, Arbeit abgeben. Und der schwimmt gerne. Also hat er uns gefragt, ob wir schwimmen wollen. Ca. 5x5m und 2m tief. Die 50 Tonnen sind schnell reingepumpt. Endlich, bereit zum Eintauchen.Was kommt raus dabei? Nur blaues Salzwasser, von wegen Rot, keine Spur davon, jedenfalls am Anfang nicht. Außer ihm und mir war im Abendrot keiner drin. Herrlich, 1. Dezember, 20 Knoten geschwommen, Tauchen mit Maschinengeräusch-Berieselung, Luft und Wasser 25°, Sundown, danach heisse Süsswasserdusche nebenan. Oberhalb des Wasserstands sind es bestimmt nochmals 1,50 Meter. Wenn du rausgucken willst auf Meer, musst du schon Flipper oder Wolfi sein. Es soll halt nicht so viel überschwappen. Doch heute ist die See ruhig. Warten wir es ab. An der Badeleiter geht’s, da lässt du dich dann einfach wieder zurückfallen. Man sieht meistens sowieso nur Wasser.

Nachts wird das Wasser wieder weggeschmissen, erstens wäre es morgens schwarz vom offenen Kamin, zweitens könnte nachts einer aus Blödsinn reinfallen. So ist es nur der gekachelte Boden. Morgens kannst du wieder neues, frisches Meerwasser anfordern. Hat dann der Chefingenieur und ich gleich wieder gemacht. Weil, war echt gut. Wo hast du das zu Hause. Auf der Donau, auf dem Rhein, eher selten!

Abends: Das Übliche.

Dinner, neuerdings bin ich öfter in der Crew-Messe, mehr Stimmung, mehr Unbekanntes, schmeckt aber. Rumgammeln, Brücke in der Nacht, mal schlafen, Nachtkantine, Brücke, Treppe, Schlafen, Aufstehen, DVD, Bier, Captain Morgan, bis zum Sunrise.

Übrigens: Vom 1. Dezember gibt es kein einziges Foto. Hatte wirklich freien Tag. Hab durchgehalten. War schwer.

Nachts: Eine Besonderheit.

Hatte um 00:00 Uhr Meeting mit Captain beantragt und bekommen. Mir ging es um die Nicht-Stimmung eines Passagieres, was sich dann auf mich und die ganze Crew übertragen hat. Und der wohnt die Tür gegenüber. Brauche ich nicht zu haben. Wenn er sowieso nicht redet. Lösung wird bis morgen oder beim Barbeque am Samstag = Übermorgen gesucht.

Ab durch die Wüste

Donnerstag, November 30th, 2006

Warten auf Suwais, so heißt der Suez-Kanal in der Landessprache.

Endlich. 30-11-2006 00:30 Uhr Motorstart, 01:00 Uhr Anker auf.

Dann geht’s auf Anweisung über Funk von der Kanalbehörde zuerst Richtung Port Said. Man wird irgendwo eingereiht in einen Konvoi von 5-7 Schiffen. Hier kommt’s auf die Schiffslänge an. Und jetzt kommen Schlag auf Schlag etliche kleine Boote mit irgendwelchen Regierungsbeamten, Zöllnern, Passbehörde, Kanal-Piloten und irgendwelchen Hilfskräften, die sich nachts zu schaffen machen, irgendwas mit Beleuchtung. Die sind aber von uns (Crew und Passagieren) völlig abgeschottet. Wir dürfen zwar raus, aber nur über die Bridge (Steuerhaus im 7. Stock). Das heißt in dieser Nacht war treppauf, treppab angesagt. Meine Kabine im 5. Stock, CrewRecreationCenter im 1. Stock, Pilot-Deck im 6. Stock und Messe zum Essen im 2. Stock. Wenn man kein Wort sagt, darf man sogar im Brückenhaus stehen bleiben, aber bring das mal einer Frau bei. Ich war’s nicht.

Zwischendrin werden die Regierungsbeamte mit viel Getöse, Gehupe und hin und her wieder einzeln abgeholt. Die Drittwährung an Bord heißt nach US-Dollar, Euro, Marlboro, aber bitte Stangenweise. Alle reihen sich ein, auch die Pilotbootfahrer. Entweder hat das Werfen oder Fangen nicht geklappt, plumps war die Stange im Wasser. Aber die sind gut vorbereitet, ein Fangnetz war sofort zur Hand. Wir kamen da nicht mehr dran.

Port SaidDann geht’s mitten durch die Stadt. Viele Ägypter sind auch nachts unterwegs, mit Autos, Fähren hin und her, kleine Fischerboote und was sonst rumläuft. Und Du stehst über Allem ganz oben. Nach der Stadt geht’s mit 9 Knoten durch die Wüste. Desert. Nichts los. Nur Sandhafen, Brückenteile von Pionieren, Sandbagger-Schiffe, mal ‘ne Wegklappbrücke, ein Paar Häuser, Fischer, Militärposten und Schiffsleitzentralen mit Aussichtsplattform, Funk, wahrscheinlich auch Radar.

Irgendwann um 07:30 Uhr kommt Freude auf bzw. die Sonne steigt aus der Wüste. Einfach schön, dieser Morgen. Viel Schlafentzug, vor allem bei der Crew. Die müssen immer auf Bereitschaft sein. Capitain hat heute sein Bett auf der Bridge. Immer eine Hand, ein Ohr, ein Auge fürs Schiff. Vorbildlich!

Um 09:15 Uhr kommt der Great Bitter Lake, so mittendrin auf dem Weg vor der Stadt Faid. Da treffen sich alle. Die einen nach Norden und die anderen wie wir Richtung Süden. Wir ankern erstmal. Speed: Zero. Ich schau aus der Luke und hinter uns bzw. achtern habe ich ein Riesenschiff mit Containern direkt vor der Nase. Ist von “CMA CGM”, auch so eine Linie. Schiffsname einfach “Strauss”, Vogel oder Politiker (FJ ehemals Bayer)?

Also wieder hoch zum “on duty”-Offizier, im Moment der 3. Offz., Bilder rundum schiessen, wieder runter. Weiterschreiben. Und ganz nebenbei erfährst du dann, wir bleiben erstmal bis 04.30 PM. Um die Zeit sollen wir abgerufen werden. Wir haben Nummer Vierzehn von Achtundzwanzig. Guter Mittelplatz! Das wird spannend, wenn das rote Meer kommt. Ist ähnlich wie Autorennen. Nur sind das dicke Pötte und es ist Donnerstag- auf Freitagnacht. Wir laufen unter “Rickmers Linie”! Ich setze auf Sieg. Unsere Crew ölt, schweißt und wienert noch alles. Ballast wird aber nicht abgeworfen.

Blaues Wasser im Suez-KanalRelax. Mitten in der Wüste, Rundum nur Wasser, Sonne, 28°, Null Wind, 30.11.2006, ein ganz normaler Donnerstag. Oder? Dann richtig geschlafen, mit kleinen U-Brechungen wie Lunch, Rundlauf, CD-Kopie, Andenken-Verkauf angucken, volle 3 Stunden. Genug neue Energie.

Viele Schiffe rundum, z.Bsp. Reeder bzw. Charterer: “CMA CGM” , “Maersk”, “Hyundai” ….. und Dry-Dock-Schiff. Die sind funny und werden beim Beladen durch Wasserballast bis zum Kragen = Brücke unter Wasser gedrückt. Kleine Schiffe, Segel- oder anderes laufen im Hafen bzw. Dock ein. Festmacher, Fender, Leinen, wie sonst. Diver unter Wasser. Wenn das Wet-Dock-Schiff einigermaßen voll mit Schiffen ist, wird der Ballast sprich das Wasser abgepumpt. Dauert bis zu 24 Stunden und alles ist im Trockendock. Jetzt geht die Reise los. Vielleicht im Herbst von Europa in Karibik, Frühjahr umgekehrt. Gut für vorsichtige oder unerfahrene Eigner, die mal woanders Ihre Euros los werden wollen. Der Transport ist nicht ganz billig. Da fahren auch Skipper auf “Ihrem” Schiff auf dem Schiff mit. Wir haben auch zwei MY dabei, aber die wurden durch die Kräne draufgebracht, hoffentlich kriegen sie die in Singapore wieder runter. Da fährt kein Skipper mit, wahrscheinlich sparen die die Vollpension auf “Rickmers Hamburg”. Selber schuld. Da haben sie was versäumt. Verpflegung, Unterhaltung (eigene), Nachtleben, Sunrises, Karaoke, Chin. Bier (Tiger), neueste DVD’s (teilw. bei uns garnicht oder noch nicht im Kino), halt mit verschiedenen Zeichensätzen als Untertitel. Ich kann’s nicht lesen.

Hier muß ich weiterschreiben…………

Anerkanntes Crewmitglied

Mittwoch, November 29th, 2006

Es gibt eigentlich gar nicht so viel zu erzählen heute.

Da war das Irgendwann-Aufstehen, anschließend ein philippinisches Frühstück. Vom Chefingenieur hatte ich dann noch den Bonus eine Einzelführung durch den 2. Engenieur auszukosten. Und das durfte ich heute einlösen.

Also um neun ging’s los. Nochmals in die Maschinendisko. Sehr laut und ein guter Sound, wenn alles rund läuft. Und dafür sorgen die Herren Ingenieure und Oiler und …. sehr gut. Was natürlich bei der Führung rauskam, sind leider sehr viele Bilder, die ihr euch aber nicht alle anschauen müsst. Alles läuft rund!Sollte euch das ein oder andere nicht interessieren, dann klickt einfach weiter. Aber nicht hinschauen. Übrigens, ganz hinten an dem unteren Teil der Ruderanlage wäre noch Platz für eine Bar. Da ist der Sound nicht ganz so schlimm und man kann sich noch einigermaßen unterhalten, Tageslicht gibt’s auch nicht. Natürlich steht man da unter Wasser, sinngemäß weil ja noch Stahlblech drumrum.

Aber das lassen wir lieber, ich glaube dem Chiefengenieur wäre es nicht recht. Komme ich jetzt zum Lunch, dem Tagesereignis. Nachdem ich – wie immer – was es wo zu essen gibt, hatte ich entschieden, mit einer philippinischen Suppe anzufangen und einem Steak als Hauptgericht in der Offiziersmesse aufzuhören.

Also wie bei den niederen Rängen üblich, Teller geschnappt, vollgemacht und rübergetragen auf die vornehme Seite durch die Küche. Kaum bin ich am Tisch angekommen, fragt mich ein Herr P. aus B., der sonst nie geredet hat, ob ich jetzt zur Crew gehöre. Über den einen Satz war ich so baff, daß ich leider nur mit einem “Kann schon sein” geantwortet habe, heute wünsche ich mir ich hätte “Ja” gesagt. Die Suppe bestand aus den Beinstücken einer Sau und halt Fleischbrühe. Ich glaube es waren Teile einer Schweinshaxe. Nachdem der Herr P. das gesehen hatte, kam dann folgendes auch noch heraus.

Bei ihm in Afrika hat seine Frau für ihn Huhn zubereitet und hat die Hühnerbeine seinen niederen Angestellten zum Auskochen gegeben, damit die auch was auf den Tisch bekommen. Das war’s dann mit Herrn P. für mich. Zu seinem Glück ist er danach gleich aufgestanden und aus meinen Augen verschwunden. Ich werde mir schon noch was Schönes für ihn einfallen lassen.

Abendstimmung vor ÄgyptenMittags bin ich einfach so über das Schiff geschlendert, natürlich immer mit Helm – ist Vorschrift -. Und den Sonnenuntergang habe ich mit dem Bosun ganz vorne im Bug ohne störenden Passagiere genossen. Der Abend so wie immer, außer dem Dinner dann gleich in der Crewmesse. Seit dem bin ich meistens mit den Filipinos nicht nur zum Essen zusammen.

Da fühle ich mich einfach wohl, kann mein Essen selbst nehmen und bringe auch den leeren Teller zur Spüle. Wenn was fehlt, hole ich es halt selbst aus der Küche und lasse mich nicht von niederen Angestellten bedienen.

Sollte Herr P. aus B. auf diese Site stossen, kann er sich dies alles mal in seinen Kopf reinpressen und das mit Marschmusik.

Und schon sind wir fast in Afrika.

Ende mit Schräglage

Dienstag, November 28th, 2006

Am Bug - weiter nach vorne geht's nicht.Italien war einmal. Immer Richtung Südosten. Kreta war mal an Backbord zu sehen. Ich hatte einen normalen Alltag. Bilder machen. Nichts tun. Aber abends todmüde. Schlappe Füße. Viel Bewegung an frischer Seeluft. Mal Schaun wo die Fracht hingeht. Stehen exotische Namen und bekannte Sachen drauf. Kann ich nicht schreiben, weil Betriebsinterna. Bin nur Gast. Danke dafür. Erlebe ja auch sehr viel. Viel Lachen mit der Crew. Die Lachen weil ich Lache, ich lache weil die immer lachen usw. Hoffentlich kriege ich nach 4 Monaten den Mund wieder zu. Man könnte auch Lachkur sagen. Da sonst nichts los ist, hier mal die Rangordnung auf dem Schiff:

Master = Capitain = Oberster Dienstherr = Volle Verantwortung = Gesetzgeber = Regierung
ShipMate = 1. Offizier = verantwortlich für Schiff und Ordnung = Befehlshaber = Ansprechpartner vor Master
2. Offizier = nach dem 1. Offizier der 2. = verantwortlich für Gesundheitswesen = Updates von Seekarten = vor dem 3. Offizier
3. Offizier = nach dem 1. und 2. Offizier = verantwortlich für Sicherheit und Notfälle = Einweisung in Überlebensmöglichkeiten im Notfall = Zuweisung der Sitzplätze im Überlebensboot = Feuerwehrmann
ChiefEngenieur = Oberst für die Maschine und alles was damit zu tun hat und dranhängt = Nach Master Zweitwichtigster
2. Engenieur = nach ChiefEng. = vor 3. Engenieur = ohne Engenieur läuft keine Maschine, weder vorwärts noch rückwärts, da kein Spielzeug, auch nicht wie im Auto, einfach mal krachen lassen, nee, geht nicht, alles ganz behutsam.
3. Engenieur = siehe 2. Eng. = eigentlich gleiche Aufgaben = wechseln sich in der Bereitschaft immer ab = Oberst hilft in Ausnahmefällen
Elektriker = gehört zu der Engenieurmannschaft, ist aber keiner – macht alles was mit Strom zu tun hat = immer sehr beschäftigt = hat mir einen DVD-Player und CD-Recorder in der Cabin aufgestellt = macht auch Weihnachtsbaumbeleuchtung, hat ja noch Zeit
Bosun = Bootsmann = Zuständig fürs ganze Schiff, außer Maschine – siehe vor = kriegt Arbeitsplan von ShipMate = lacht immer
Fitter = Schlosser = kann alles = Schweißen rund ums Stahlschiff = Festmachen der Ladung = lacht immer
Carpenter = Verstauer = Holzarbeiter = Verlaschen = Masseur = Ladung darf nicht verrutschen = lacht nicht immer
AB (4) = AbleBoatsman = Anleitung von Bosun = Können alles rund ums Schiff = Kräne bedienen = Denkaufgaben
OS (4) = OrdinarySeaman = Anleitung von Bosun = Können noch nicht alles rund ums Schiff = Kräne schmieren = leichte Denkaufgaben
Oiler (2) = Maschinenmannschaft = Schmieren in Schicht die Maschine an = Schauen und Schütten Öl rein, massenhaft = Lachen immer
Wiper = Sorgt für die Sauberkeit der Maschine = siehe Oiler, nur andersrum = Austauschteile = lacht immer
Cook = nach dem Master wichtigster Mann an Bord = ohne gutes, ausreichendes Essen läuft nichts = noch jung, aber sehr gut = kocht zweimal, philippinisch und europäisch = Vorratshaltung = Foodlager = Tiefkühler = lacht immer
Steward = Bedienung = Reinigungskraft in den Kabinen der Oberen und Passagieren = morgens fünf bis abends neun = läuft immer
E/Kadett = Hilft in der Maschine = Will mal Engenieur werden = Praktikum rund um die Welt = lacht immer zaghaft

Mit Abstand:
Passagiere = Haben nichts zu sagen = Müssen auf Master und Offiziere hören oder folgen, je nachdem = Reden nicht alle mit niederen Personen = Lachen nicht alle

Alles erklärt, oder noch Fragen?

Abends war eine Spontan-Schräg-Lach-Fun-Party in der CrewMess. Kam plötzlich und ging lange und dann war es wieder vorbei. Der nächste Arbeitstag ruft. Alles war schräg, das ganze Schiff durch die Wellen, die Flaschen, Gläser, Teller auf den Tischen, alle hingen schräg auf den Rundumstühlen, selbst der Fotoapparat hat schräg mitgemacht – Klasse, das hat was! – So schräg kannste zu hause gar nie nicht werden.

Immer noch Ziel: Port Said – Suez-Kanal, später dann Hamburg.